MINT-Stimmen - Biomathematik

Lizzy, Absolventin Biomathematik
Beim Jonglieren
Am Arbeitsplatz
 

Hallo Lizzy, würdest du dich vielleicht zuerst einmal vorstellen?

Klar; also ich bin Lizzy, 26 Jahre alt und komme ursprünglich aus Berlin. Ich wohne seit 2006 in Greifswald, habe mein Studium in Biomathematik absolviert und momentan promoviere ich.

Warum hast du gerade Biomathematik studiert?

Zuerst hatte ich eigentlich den Wunsch, Psychologie zu studieren und als das nicht geklappt hat, musste ich mich nach einem anderen Studiengang umsehen. Ich bin dann auf der Internetseite der Universität Greifswald die Studienfächer durchgegangen und dachte bei Biomathematik: "Mathe und Bio waren früher meine Lieblingsfächer, Greifswald liegt am Wasser- das passt!". Das Schöne an diesem Studiengang ist auch, dass es nicht so trocken wie Allgemeine Mathematik ist, sondern auch noch die biologische Komponente hinzukommt.

Inwiefern lassen denn Biologie und Mathematik verbinden?

Das ist im Prinzip wie Biochemie, auch nur eine Art Spezialisierung. Einerseits versucht man, mathematische Formeln für biologische Prozesse zu finden, bspw. für die Entwicklung von Bakterienkulturen unter bestimmten Bedingungen. Es gibt aber auch den Bereich der Molekularbiologie, in dem ich auch tätig bin, wo man sich auf die genetische Ebene konzentriert. Hier versuchen wir Computerprogramme, mit denen man bestimmte Informationen aus DNA-Sequenzen ziehen kann, zu programmieren.

Kannst du etwas zum Studieninhalt erzählen? War es eher mathe- oder biolastig?

Zunächst bekommt man in beiden Fächern getrennt die Grundlagen vermittelt, also in Mathe bspw. Algebra und in Biologie Allgemeines und auch Experimentalphysik. Später kommen dann Kombinationsfächer dazu. Man sollte sich nicht verrückt machen, wenn man ein Fach mal nicht so gut kann, denn wenn man sich später spezialisiert, ist es gut möglich, dass man damit nicht mehr allzu viel beziehungsweise gar nichts mehr zu tun hat.

Wie viel Uni hattest du ungefähr pro Woche?

Das waren so drei Vorlesungen pro Tag, das macht 20 bis 30 Stunden pro Woche. Dazu kommt die Zeit für Hausarbeiten oder Übungsscheine, die dann für die Zulassung zur Klausur benötigt wurden. Man sollte sich, um besser lernen zu können, Gleichgesinnte suchen und in einer Gruppe lernen, das ist wirklich viel einfacher.

Wie viele Studierende wart ihr am Anfang und am Ende in deinem Jahrgang und wie sah es mit der Geschlechterverteilung aus?

Also begonnen haben wir mit 50 Leuten und den Abschluss haben am Ende circa 16/17 Leute gemacht. Das liegt wohl daran, dass es ein NC-freier Studiengang ist. Einigen hat es einfach nicht ihren Vorstellungen entsprochen. Was die Verteilung von Männern und Frauen angeht, waren wir fast mehr Frauen als Männer, es hielt sich aber relativ die Waage.

Welche Vorzüge hat Greifswald?

Ich habe hier den Wassersport für mich entdeckt. Das flache Wasser vom Bodden eignet sich für Anfänger nämlich optimal. Außerdem ist Mecklenburg-Vorpommern das Land mit den meisten Sonnenstunden und es gibt hier viele schöne Strände in der Umgebung. Besonders schön an Greifswald finde ich, dass man alles bequem und schnell mit dem Fahrrad erreichen kann. Da die Stadt doch relativ klein ist, herrscht eine recht familiäre Atmosphäre und es studiert sich hier super. Im Winter, aber auch im Sommer, habe ich Jonglierkurse beim Hochschulsport Greifswald besucht. Generell gibt es sehr viele Sportkurse an der Uni, unter anderem auch Fitness, Kampfsport und alle Ballsportarten die man sich vorstellen kann.

Lassen sich Freizeit und Studium gut vereinbaren?

Das kommt ganz auf die Freizeitgestaltung und die Studienrichtung an. Bei mir ging das ganz gut, ich habe regelmäßig meine Vorlesungen besucht und dann zu den Klausuren immer erst richtig gelernt, so dass ich einen ausgewogenen Rhythmus von Freizeit und Studium hatte.

Hast du nebenbei gearbeitet oder wie hast du dir das Studium finanziert?

Eigentlich lief das über meine Eltern, die haben das bezahlt. Um Geld für mein Auslandssemester zu sparen habe ich allerdings eine gewissen Zeit gekellnert, das fand ich ganz schön. Außerdem habe ich auch als studentische Hilfskraft gearbeitet, da macht man dann so etwas für Aufgaben für jüngere Semester korrigieren oder ich habe zum Beispiel einen Mathekurs für die BWL-er angeboten, da bekommt man dann auch noch mal Geld zusammen.

Du hast vorhin erwähnt, du arbeitest im Bereich der Molekularbiologie. Was genau machst du jetzt nach dem Studium?

Ich hätte es zwar anfangs nicht gedacht, dass es so kommt, aber ich arbeite sehr viel vor dem Computer in der Arbeitsgruppe Biomathematik. Erst hatte ich Angst vor dem Programmieren, aber man lernt das im Lauf des Studiums und ich habe es jetzt sogar lieben gelernt. Genauer gesagt, sind wir im Bereich der Genvorhersage tätig, für die wir Programme schreiben.

Eigentlich wolltest du Psychologie studieren. Bereust du, dass du das dann doch nicht getan hast?

Nein, ich bin im Endeffekt froh, dass ich Biomathematik studiert habe, da ich mir vorstellen konnte in diesem Bereich zu arbeiten und das tue ich ja nun auch. Ich bin ja Promotions-Studentin, das heißt, man bekommt wegen des Studenten-Status meist keine Vollzeitstelle. Ich habe aber eine 75%-Stelle und kann davon auch ganz gut leben. Wer weiß, ob Psychologie mich genauso erfüllt hätte.

Was war dein absolutes Highlight im Studium?

Mein Auslandssemester war schön. Wir haben dort Kurse belegt und darin Prüfungen geschrieben. Man konnte sich dann Teilleistungen anrechnen lassen, die in der Diplom-Prüfung erlassen wurden. Für mich persönlich war es auch schön, das die Land, die Umgebung und alles außerhalb der Uni kennenzulernen. Außerdem war ich in Greifswald bei einigen Exkursionen dabei, zum Beispiel im Elisenhain oder in Wampen am Strand, also in Naturschutzgebieten.

Das Interview wurde 2013 von Madlen Gottschalk geführt, Schülerin am Alexander-von-Humboldt-Gymnasium Greifswald.